Die Wende im Gasmarkt
Die USA gaben im Januar bekannt, Russland als größten Erdgasproduzenten abgelöst zu haben. Das bedeutet nicht nur eine Unabhängigkeit von Gasimporten für die USA, sondern eine Mächteverschiebung im großen Stil.
Bislang galt in der Erdgasbranche: Wer die größten Vorkommen besitzt, hat den Markt in der Hand. So wurde bei einer hohen Nachfrage und einem geringer werdenden Angebot immer wieder auf Russlands und auch Norwegens Macht hingewiesen, die, wenn sie wollten, einen großen Teil der weltweiten Erdgasversorgung lahm legen könnten.
Nun wurde aber eine neue Technik eingeführt, die es erlaubt, auch in Ton- und Schieferschichten eingelagertes Gas durch Bohrungen zu Tage zu fördern. Diese Methode ist zwar aufwändig, kann aber bislang versteckte Vorräte auffinden. Hierbei werden die Bohrungen zuerst gerade in die Erde geführt, um dann horizontal in die Lagerstätten vorzudringen und hydraulisch das Gestein aufzubrechen und das in diesen Schichten gelagerte Gas zu gewinnen.
In den USA konnten dank dieser nichtkonventiellen Methode die Schätzungen der Erdgasvorkommen auf über ein Drittel angehoben werden und liegen nun bei 58.800 Milliarden Kubikmetern. Der Kopf aller Energieanalysten, Daniel Yergin, spricht bezüglich dieser Technik von der wichtigsten Energieinnovation des Jahrzehnts.
Für große Exporteure wie Russland bedeutet dies allerdings einen Einbruch ihrer wirtschaftlichen Macht. Die geplanten und bereits gebauten Pipelines wurden mit der Voraussetung errichtet, dass sich die Investitionen durch die Knappheit und damit die steigenden Preisverhältnisse von Erdgas schnell rechnen.
Ob nun die Durchführung der Nord Stream Pipeline in der Ostsee abgebrochen wird, ist unklar. Sicher ist allerdings, dass Russland sich auf fallende Gaspreise und eine geringer werdende Nachfrage nach seinem Erdgas einstellen muss.
Foto: copyright wikimedia
Autor: Malte
Geschrieben am: Mittwoch, den 17. März 2010
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