Ökostrom-Nachfrage deutlich gesunken

Nach der verheerenden Atomkatastrophe in Fukushima schien das grüne Gewissen der vieler deutscher Verbraucher wachgerüttelt. Im Zuge der öffentlichen Ökostromdebatte formierte sich eine breite Front, die der Atomlobby durch den Verzicht auf “grauen” Strom ein Schnippchen schlagen wollte. Ökostromanbieter konnten sich vor Anfragen kaum retten und verzeichneten innerhalb kürzester Zeit tausende neue Kunden. Doch nur wenige Wochen nach dem Beschluss der Energiewende schient der Ökostrom-Boom abzuflachen: die Nachfrage nach grünem Strom geht derzeit merklich zurück.

Fukushimas kurzer Nachhall

Kurz nachdem es im April diesen Jahres im Japanischen Atomkraftwerk Fukushima zu einem schwerwiegenden Reaktorunfall kam, schnellte die Nachfrage nach Ökostrom bei den deutschen Energieanbietern rasant in die Höhe. Ende April wollten nach den Angaben eines großen deutschen Verbraucherportals noch mehr als 80 Prozent der deutschen Stromkunden nach einem Ökostromanbieter suchen. Vor dem Unglück im japanischen Kernkraftwerk zeigten nur knapp 50 Prozent der Portalbesucher Interesse an grünen Stromanbietern. Nachdem jedoch bereits im Mai die Ökostrom-Nachfrage deutlich zurückging, erreichte sie im Juni wieder nahezu das Niveau vom Jahresanfang. Im Gegensatz dazu legte die Nachfrage nach dem so genannten Graustrom in den Frühsommermonaten wieder kräftig zu: knapp zwei Monate nach Fukushima informierten sich rund 45 Prozent der Verbraucher über konventionelle Stromtarife, deren Energie-Mix einen nicht zu verachtenden Anteil Atomstrom enthält.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Scheint, als hätte der endgültige Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg bis 2022 sowie die nachlassende mediale Berichterstattung vom AKW-Unglück in Fukushima das allgemeine Interesse der Bevölkerung an ressourcensparend und nachhaltig erzeugtem Strom schwinden lassen. Trotz nachlassender allgemeiner Nachfrage scheint sich das Qualitätsbewusstsein der Verbraucher in den vergangenen Monaten positiv verändert zu haben: während im März lediglich knapp 35 Prozent der Verbraucher nach einem Ökostromanbieter suchten, der mit einem Gütesiegel ausgestattet ist, suchten im Juni mehr als 52 Prozent nach grünen Energietarifen mit Gütesiegel.

 

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