Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH betreibt Nachhaltigkeitsforschung

Logo des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Logo des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH

Schon seit Jahren wissen wir, dass verheerende Klimakatastrophen keine Launen der Natur sind, sondern durch Eigenverschulden der Menschen provoziert werden. Der steigende Bedarf und der Abbau von Rohstoffen sowie die Verschmutzung der Erdatmosphäre liegen der stetig wachsenden Weltbevölkerung zu Grunde. Ein Thema, mit dem sich viele Experten beschäftigen – so auch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

1990 von Johannes Rau, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, gegründet, hat sich das Institut der Notwendigkeit eines ökologischen Wandels angenommen und sich auf die Nachhaltigkeitsforschung spezialisiert. In enger Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Universitäten beschäftigt sich die Einrichtung unter anderem auch mit erneuerbaren Energien, welche langfristig in das allgemeine Energiesystem integriert und mit anderen Klimaschutzoptionen, gerade der effizienteren Nutzung von Energie und der Kraft-Wärme-Kopplung, verbunden werden sollen. Mit  Akteuren aus der Energiewirtschaft, Wohnungswirtschaft, dem Verkehrsbereich, der Forschung und Entwicklung an den Universitäten, mit Wirtschaftsverbänden, NGOs, der Politik und auch mit den Medien wurden an dem Institut Projekte erarbeitet, die sich mit der weltweiten nachhaltigen Energieerzeugung und -versorgung beschäftigt haben. Zwei davon möchten wir kurz vorstellen. 

1. Strompreiseffekte eines beschleunigten Ausstiegs aus der Nutzung der Kernenergie

Am 11. März 2011 wurde das japanische Fukushima von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Ein darauf folgender Tsunami legte die elektrische Energieversorgung des Kernkraftwerks lahm und löste eine unvorstellbare Nuklearkatastrophe aus. Seitdem ist die Debatte über das Pro und Contra von Atomenergie wieder voll entbrannt. In Deutschland entschied sich die Bundesregierung kurzerhand, die sieben ältesten Kraftwerke über einen befristeten Zeitraum stillzulegen und währenddessen die generellen Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke zu überdenken.

Der Frage, wie sich die Entwicklung der Strompreise in Anbetracht verkürzter Laufzeiten oder eines frühzeitigen Kernenergieausstiegs verhalten würden, hat sich das Wuppertal Institut angenommen. Vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben wurde der aktuelle Stand der Diskussion um die Strompreiseffekte zusammengefasst und in einer Kurzstudie (PDF-Version) bewertet.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich die Strompreise für private Haushalte um rund 0,5 bis maximal 1 Cent pro kWh vorübergehend erhöhen würden, wenn die Nutzung der Atomenergie bis spätestens 2020 komplett abgeschafft wird. Der Anstieg entspricht ungefähr zwei bis vier Prozent des aktuellen durchschnittlichen Haushaltsstrompreises. Würde der endgültige Kernenergieausstieg noch weiter in die Ferne rücken, könnte eine Erhöhung des Strompreises verhindert werden.

2. Transfer klimafreundlicher Transporttechnologien und –maßnahmen

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hat bekanntgegeben, dass bis zum Jahre 2050 nur noch 666 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre gelangen dürfen. Vor fünf Jahren wurde alleine durch den Verkehr 7,5 Gt CO2 produziert. Sollten keine entsprechenden Maßnahmen in die Wege geleitet werden, steigt die durchschnittliche Temperatur der Atmosphäre um zwei Grad Celsius – eine Tatsache, die verheerende Folgen für den gesamten Globus bewirken würde.

Besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigt die Anzahl der PKWs seit Jahren stetig an, während die öffentlichen und nicht motorisierten Verkehrsmittel, obwohl sie wesentlich energieeffizienter sind, immer seltener genutzt und gebraucht werden. Deshalb muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden, um den Energieverbrauch sowie die Kohlendioxid-Emissionen, besonders in Ländern mit geringen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungen, zu reduzieren.

Das Projekt »Transfer« möchte daher die Potenziale des »Nationally Appropriate Mitigation Actions« ausschöpfen. Die NAMAs sind freiwillige nationale Klimaschutzmaßnahmen von Entwicklungsländern, die der globalen Reduzierung von Treibhausgasemissionen dienen. Das Konzept wurde 2007 auf der UN-Klimakonferenz in Bali entwickelt und 2009/2010 durch die Vereinbarungen, welche in Kopenhagen und Cancun getroffen wurden, bestätigt. Von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt wurde das Projekt von den drei Partnerländern Südafrika, Kolumbien und Indonesien unterstützt.

Weitere Unterstützung bekam die GIZ in der Anfangsphase von dem Wuppertal Institut, insbesondere bei der Einführung des Projekts in Südafrika. Mit Hilfe von »Transfer« sollte den Entscheidungsträgern der Entwicklungsländer die Möglichkeit geboten werden, Klimaschutzmaßnahmen zu entwickeln und diese als NAMAs zu registrieren. Von internationalen Experten unterstützt sollen Reduktionspotenziale identifiziert und neue Strategien für saubere, effiziente und bezahlbare Transportsystems entwickelt werden.

Im Anschluss an das Projekt wird ein Handbuch entwickelt, um weitere Entscheidungsträger bei der Bestimmung, Registrierung und Umsetzung von Verkehrs-NAMAs zu unterstützen. Darüber hinaus soll eine Toolbox zusammengestellt werden, die alle Maßnahmen und neuen technologischen Errungenschaften für den Klimaschutz im Verkehrssektor zusammenfassen und veröffentlichen wird.

Diese und noch weitere Projekte des Instituts zeigen, wie viele Klimafaktoren unsere Erde beeinflussen und wie wichtig es ist, dauerhafte Lösung zu finden und mit anderen Wissenschaftszweigen zusammenzuarbeiten. Würde auch nur eines der Konzepte langfristig fruchten, wäre der erste Schritt in eine bessere Welt getan.