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Unter diesem Begriff versteht man ein Wasserkraftwerk, das sich die Gezeiten der Meere zu Nutzen macht.
Das heißt es ist eigentlich ein Wasserkraftwerk mit einer Besonderheit. Das Gezeitenkraftwerk nutzt den wechselnden Wasserspiegel des Meeres, der durch Ebbe und Flut entsteht.
Schon im 11. Jahrhundert wurde die Kraft der Gezeiten an der Kanalküste in Frankreich und England genutzt.
Noch heute kann man an einigen Stellen die Gezeitenmühlen aus früheren Jahrhunderten, die vor allem mechanische Arbeiten verrichteten, bestaunen.
Als Nachfolger dieser Mühlen kann man das moderne Gezeitenkraftwerk sehen.
Die Bewegungsenergie des Gezeitenstromes wird zur Produktion von elektrischem Ökostrom genutzt.
Die eigentliche Energie entsteht jedoch aus der Erddrehung und der Anziehungskraft von Sonne und Mond auf die Erde.
Um die Energie nutzbar zu machen werden die Strömungen durch das Gezeitenkraftwerk lokal abgebremst. Das auf- und ablaufende Wasser wird aufgestaut und treibt Turbinen an, welche die Rotationsenergie an Generatoren weitergeben.
Da die Drehenergie der Erde in wahrscheinlich unendlichem Maß zur Verfügung steht, wird die Energiegewinnung durch Gezeitenkraftwerke zu den erneuerbaren Energien gezählt.
Ein hoher Tidehub, also die Differenz zwischen Niedrig- und Hochwasserstand ist Voraussetzung für die Effektivität des Kraftwerkes.
Gezeitenkraftwerke werden mit einem Staudamm an Meeresbuchten errichtet. Die Meeresbucht wird mit einem Deich, der Turbinen enthält, abgedämmt. Die Turbinen arbeiten bei Ebbe, sowie bei Flut entweder mit abfließendem oder mit auffließendem Wasser.
Um eine noch bessere Auslastung zu erreichen kann mit überschüssiger Energie anderer Kraftwerke noch mehr Wasser in die Bucht hineingepumpt werden. Auf diese Weise kann das Gezeitenkraftwerk auch als Pumpspeicherwerk eingesetzt werden.
Die Ökonomie eines Gezeitenkraftwerkes ist eher gering, da es zu wenig geeignete Standorte auf der Erde gibt. Auf der gesamten Erde gibt es nur etwa 100 Bauplätze, auf denen solche Kraftwerke gebaut werden können.
Ein Tidehub von 5 m, welcher die Effektivität des Gezeitenkraftwerkes sichern würde, ist nur an wenigen Standorten gegeben. Auch ein gleichmäßiges Abgeben von Leistung ist nicht möglich da Ebbe und Flut nur alle 12 Stunden auftreten. Weiterhin tragen hohe Springfluten und schwache Nipptiden zu einer unregelmäßigen Energiegewinnung bei.
Außerdem gibt es Vermutungen, dass der Bau eines Gezeitenkraftwerkes den natürlichen 12-Stunden-Rhythmus der Küstenregion ungünstig beeinflussen könnte.
Unter diesen Voraussetzungen können Gezeitenkraftwerke nur einen geringen Anteil der Stromversorgung decken.
Das erste und immer noch größte Gezeitenkraftwerk steht an der Atlantikküste bei Saint-Malo.
Der Tidehub beträgt hier zwischen 12 und 16 Metern. Dies sichert dem Kraftwerk einen hohen Energieertrag.
Auch in Kanada, Russland und China wird ein kleiner Teil der Energie durch Gezeitenkraftwerke gewonnen.